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20.05.2019, 17:16

Versicherung, Helmpflicht, Produktqualität

E-Scooter: Das müssen Fahrer wissen

Grünes Licht für elektrische Tretroller: Der Bundesrat den E-Scootern in der vergangenen Woche seinen Segen gegeben. Damit Kauf und erste Fahrkilometer nicht mit einer Bauchlandung enden, gilt es aber einige Punkte zu beachten.

E-Scooter
Sicher Scootern: Auch wenn keine Helmpflicht besteht, so bewahrt der Kopfschutz doch vor Verletzungen.
© Auto Medien Portal/Electric Empire

In anderen Ländern scootert es bereits im Straßenverkehr, und auch in Deutschland soll es noch in diesem Sommer so weit sein. Dass es fortan (noch) enger wird im Straßenverkehr, ruft zwar durchaus Bedenken hervor. Im Allgemeinen werden die neuen Elektrokleinstfahrzeuge aber willkommen geheißen. Der Auto Club Europa (ACE) beispielsweise lässt wissen, "dass es für eine zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität einen Mobilitätsmix braucht, der neue und bewährte Mobilitätsformen und Verkehrsmitteln gleichberechtigt berücksichtigt".

Gleich auf zum Händler also? Oder sich schnellstmöglich auf einen E-Scooter jener Verleihunternehmer schwingen, die bereits Gewehr bei Fuß stehen?

Roller ist nicht gleich Roller

Dem steht prinzipiell nichts entgegen. Das eine oder andere sollte man freilich wissen. So ist zunächst zwischen E-Scootern zu unterscheiden, die maximal 20 km/h vorlegen dürfen und jenen Turbodüsen, die es auf bis zu 25 km/h bringen. Letztere sind den Mofas gleichgestellt, und somit gelten für sie andere Regeln.

E-Scooter
E-Scooter: Manchen reicht ein Versicherungsaufkleber, die schnelleren brauchen ein Mofa-Kennzeichen.
© DekraZoomansicht

Um am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen, benötigen die elektrischen Tretroller grundsätzlich eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), eine Einzelbetriebserlaubnis (EBE) und eine Versicherung. Wie Fahrräder müssen sie zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen besitzen. Seitliche Reflektoren sind ebenso vorgeschrieben wie eine gut hörbare Klingel oder Glocke. "Keine Hupe", betont Tobias Klingelhöfer von der ARAG-Versicherung. Der Rechtsexperte erklärt auch, weshalb die Steuerelemente für den Elektromotor sofort nach dem Loslassen in die Nullstellung zurückspringen müssen: "Sonst würde sich der Scooter bei einem ungewollten Absteigen ja selbstständig machen".

Besser mit Helm

E-Scooter mit einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h dürfen von Jugendlichen ab 14 Jahren pilotiert werden. Sie benötigen dazu keinen Führerschein. Auch einen Helm müssen sie nicht tragen. Experten raten aber dennoch zu einem solchen Kopfschutz. "Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass es bei etwa jedem zweiten Unfall mit Personenschaden zu Kopfverletzungen kam", sagt Markus Egelhaaf, Unfallforscher bei der Dekra.

Vorgeschrieben ist außerdem eine Haftpflichtversicherung, die durch einen Versicherungsaufkleber mit fälschungssicherem Hologramm kenntlich gemacht wird. Der Gehweg ist für die E-Scooter tabu, sie dürfen nur auf Radwegen und Radfahrstreifen unterwegs sein. "Gibt es die nicht, gehören die Flitzer auf die Fahrbahn", sagt Rechtsexperte Klingelhöfer.

Vorschriften wie beim Mofa

Strengere Vorschriften sind für die schnelleren 25-km/h-Roller zu beachten. In ihrem Fall muss der Fahrer mindestens 15 Jahre alt sein, eine Mofa-Prüfbescheinigung vorweisen können und einen Helm tragen. Neben dem Bürgersteig ist für die rasanteren unter den Rollern auch der Radweg eine No-Go-Area, wie Mofas haben sie immer die Fahrbahn zu benutzen. Eine Versicherungsplakette reicht nicht aus, stattdessen ist ein Mofa-Versicherungskennzeichen Pflicht.

BMW X2 City
Mobilität für die letzte Meile: Auch BMW bietet ein E-Roller und nennt ihn X2City.
© BMWZoomansicht

Ob 20 oder 25 km/h: Nach Alkoholgenuss ist der elektrische Tretroller keine Alternative zum Auto. "Anders als bei Fahrrädern oder auch E-Bikes gelten für E-Scooter die strengeren Promillegrenzen für Kraftfahrzeuge", warnt Rechtsexperte Tobias Klingelhöfer. Fahranfänger müssen also die 0,0-Promille-Grenze respektieren, alle anderen Fahrer das 0,5-Promille-Limit.

Finger weg von Ramsch-Rollern

Sicherheitsexperten warnen zudem vor Ramsch-Rollern. "Bei Billigprodukten sind Zweifel angebracht", sagt Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke. "Erste Praxistests haben gezeigt, dass der Käufer auf Qualität achten muss, wenn er an seinem Fahrzeug Freude haben möchte".

Und auch ein vorsichtiges Kennenlernen des neuen Fortbewegungsmittels wird empfohlen. Vor allem die Kombination aus Mini-Rädern und hohem Lenker sei brisant, erklärt Unfallforscher Egelhaaf. "Bremst der Fahrer bei flotter Fahrt zu stark mit der Vorderradbremse ab oder verlagert er sein Gewicht beim Bremsen nicht genug nach hinten, droht ein Sturz über die Lenkstange". Zudem sei - wiederum der kleinen Räder wegen - mit erhöhter Sturzgefahr auf nasser, verschmutzter oder unebener Fahrbahn zu rechnen. Elektrisch Scootern will gelernt sein.

ule

 

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